Der Specht und die Beute

Es war Ende Jänner 2026, es lag noch etwas Schnee. Meine Frau und ich machten einen kleinen Kontrollbesuch am Bellevue. Gut, dass wir gekommen waren - denn unsere Bienen hatten Besuch bekommen. Von einem Specht.

Im Sommer ist der Specht kein Thema - da gibt es genug Insekten im Wald. Aber im Winter, wenn Schnee liegt und das Nahrungsangebot knapp wird, ändert sich die Situation. Der Specht weiß ganz genau, dass hinter der Beutenwand ein wohltemperierter, dicht gepackter Eiweißvorrat sitzt - die Wintertraube der Bienen. Die Bienen heizen mit ihrer Flügelmuskulatur einander auf. Im Zentrum der Wintertraube ist die Königin, bei rund 30 °C. Am Rand sind es etwa 13 °C und die Bienen lösen einander ab - mal am Rand kalt, mal in der Mitte wieder aufwärmen. Ähnlich wie bei den Pinguinen in der Antarktis.

Der Specht hat ein Spezialgebiet: Er klopft Löcher in Holz. Bei beiden Völkern am Bienenstand hat er einige kleine Löcher geklopft - und dann ein riesiges, wo er selber hindurch passt. Das Problem für die Bienen, selbst wenn sie den Specht vertreiben, ist der Schaden. Es ist nicht nur etwas zugig, es ist, als hätte jemand mitten im Winter alle Türen und Fenster aufgerissen. Die Wintertraube droht auszukühlen und im schlimmsten Fall verliert man das Volk - nicht durch Krankheit oder Varroa, sondern durch einen Vogel.

Ein paar Eindrücke von den Schäden - von der Übersicht bis zur Nahaufnahme:

Akut war es das Wichtigste, die Löcher zumindest provisorisch abzudichten. Mit ein paar Holzbrettern und dem Akkuschrauber war das schnell erledigt. Dann ein ganz kurzer Blick in die Beute: Ist der Specht noch drinnen? Dann wäre er jetzt gefangen! Zum Glück war er schon weg.

Provisorisch mit einem Holzbrett verschlossenes Spechtloch

Einige Wochen später, zur Frühjahrsrevision, kam ich mit frischen Zargen zum Bienenstand und habe die Waben umgehängt - nun konnte ich die durchlöcherten Zargen für eine ordentliche Reparatur mitnehmen. Die Flanken des großen Loches habe ich begradigt, dann konnte ich ein passend angefertigtes Holzstück einleimen. Die kleinen Löcher verfüllte ich mit einem speziellen Holzkitt, dessen Rezeptur wasserbasiert ist. Zum Schluss habe ich noch einmal drüber geschliffen und den Holzschutz mit den in der Bio-Imkerei beliebten Auro-Naturfarben wiederhergestellt.

Für den nächsten Winter überlege ich mir noch einen Specht-Schutz der Beuten…